Wie unglaublich verpennt die angeblich größte und ach-so-seriöse deutsche Site ist, sieht man daran, daß bei google als erstes ein Erfolgsbericht der Firma auftaucht, in dem zunächst der Laden gründlich durch den Kakao gezogen und dann unverhohlen Werbung für andere Sites gemacht wird, die deutlich erfolgversprechender seien. Ich beschloß also, meinen virtuellen Horizont qua match.com zu erweitern.
Das war erst mal keine gute Idee, denn es setzte der von mir so genannte Pizza-Effekt ein: habe ich auf der Karte 8 verschiedene Beläge zur Auswahl, ergehe ich mich in freudigen Spekulationen darüber, welcher mir wohl am besten schmecken wird. Bietet man mir 368 an, dann esse ich lieber Lasagne. So scheuchten mich 50.683 User, die gerade auf dieser Site online sind um einen Partner zu suchen, schneller ins Bett als es die Aussicht auf die ehevertragslose Heirat mit einem Multimillionär geschafft hätte.
Nun müllt die Site meinen Postkasten mit ebensolchen Fake-Mails zu wie die Engländer. Aber man sollte ja die Vorzüge von Mehrsprachigkeit nicht unterschätzen. Versehentlich öffnete ich heute die spanische Version der Site und dort kann ich sehr wohl sehen, wer mein Profil besucht hat, ohne stattdessen mit Versuchen bombardiert zu werden, mich zum zahlenden Mitglied zu machen. Kurios - anscheinend sitzt Spaniern das Geld weitaus weniger locker, wenn es um Kontaktseiten geht. Na ja, sie sind ja auch gemeinhin geselliger.
Zu sehen, wer mich potentiell interessant findet, hat natürlich auch seine Nachteile. Jedes Mal, wenn ich nachschaue, starrt Wolf-Berthold (ertappt, Lupus!) gedankenschwanger durch mich hindurch. Daß ein schwarz-weiß-karierter Hemdkragen kokett aus seinem roten Pulli lugt könnte ich ihm eher nachsehen als die Tatsache, daß er seinen offensichtlich von zuviel Latein beschwerten Kopf auf die Spitze seines linken Zeigefingers stützt. Vielleicht popelt er allerdings auch bloß gerade im Ohr - das ist wegen der wild-verschwurbelten Tapete im Hintergrund schwer zu erkennen.
Gentleman_666_6 hat über dem schwarzen Barbour einen bräunlichen Schal auf anheimelnd weibliche Weise um den Hals drapiert (doppelt nehmen und die Enden durch die Schlaufe ziehen). Verführerisch schimmert seine silbrige Mähne im Licht, er beschreibt sich selbst als "sehr attraktiv" - ich weiß einfach, daß er mehr Zeit vor dem Spiegel verbringt als ich und seine Kosmetikasammlung mit größerer Inbrunst hütet als Cher.
Dumm nur, daß in den Miniaturprofilen kein Platz für seinen ganzen Nickname ist, so daß er zum "gentlema" einschrumpfte.
Wohlgemerkt würde ich die virtuellen Finger auf alle Fälle von einem Mann lassen, der sich selbst als Gentleman betitelt. Zehn zu eins schreitet er - im Geiste lässig das Operncape schwingend - völlig unbeschwert von anderen Sorgen als der, wie er auf andere wirken mag, durch's Leben. Schmutzige Dinge wie Geldverdienen und Kloputzen überläßt er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seiner Gefährtin, die aus einer nur ihm selbst zugänglichen Logik nie in die Kategorie von Queen Elizabeth I zu fallen scheint.
Natürlich ist es lästig, immer wieder einen neuen Namen, sodann das Paßwort und die Paßwortbestätigung eingeben zu müssen, ehe das Fenster aufgeht, in dem steht, daß "dieser Name schon vergeben" ist. Aber es kann nicht im Sinne von Steppenwolf_365 sein, daß angesichts seines Usernamens ein phantasieloser Hütehund vor meinem inneren Auge auftaucht.
Wo_Bi_a_77 (Wodomir Bieselbrunner?) hat größere Ohren als Prinz Charles und exakt die Figur von Homer Simpson (Merke: großkarierte Hemden in Gelbtönen schmeicheln eher weniger). Dafür kann er nichts. Wohl aber dafür, daß er sich in bester Förster-Liesl-Romandeinband-Manier finster in die Ferne kniepend vor der Schwäbischen Alb hat fotografieren lassen - ganz so, als sei sie der K2, der ihm soeben den besten Freund geraubt hat. Wodomir, Du hast doch bloß grad die Himbeerstecken geschnitten!
McFetz und Kucke_Da allerdings sollten mit längerem Sportschau- und Dosenbierentzug dafür bestraft werden, daß sie sich im zarten Alter von Mitte Fünfzig derart niedlich benamst haben.
ImBesten(Alter?)51 ist inzwischen 53, sucht also schon etwas länger.
Die kindliche Zuversicht des Herrn aus Rumänien rührt mich immerhin - ob ich ihm einen politisch höchst unkorrekten Tip gebe, wie er eher zu Erfolg gelangen könnte?
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