Ich komme mehr und mehr zu dem Ergebnis, daß diese Profilfragebögen für Leute ungeeignet sind, die mit Sprache zu tun haben. Oder vielleicht taugen sie einfach nicht für Menschen, die über mehr als zwei funktionierende Gehirnzellen verfügen.
Da werde ich nach meinen Hobbies gefragt. Damit das Computerprogramm mir passende Partner vorschlagen kann.
Hobbies? Umso länger ich das Wort betrachte, desto eindeutiger scheint es eine Zipfelmütze zu tragen und Puschelfüße zu spreizen.
Ich habe keine Hobbies. Ein Hobby besteht darin, Gladiolen zu züchten. Oder Fußpilzsporen zu sammeln.
Sind meine Blogs – horribile dictu – ein Hobby? Ist Alberne-Texte-schreiben-um-meine-Freunde-zu-amüsieren ein Hobby? Würde ich einen Mann vorziehen, der sich die Zeit auf dieselbe Weise vertreibt? Die Frage läßt mich kalt.
Allerdings wäre es mir lieb, wenn der Betreffende imstande wäre, notfalls einen orthographisch einwandfreien, zusammenhängenden Satz in irgendeiner Sprache zu schreiben. Diese Rubrik fehlt leider.
Himmelherrgott, gibt’s denn nichts, was ich zum Zeitvertreib tue? Doch. Ich gehe in Museen. Gelegentlich in Konzerte. Manchmal ins Kino. Ich sitze vor Cafés, weil drinnen das Rauchen verboten ist und spekuliere darüber, was die übergewichtige Dame dazu verleitet haben mag, sich von Kopf bis Fuß in enganliegende Tigerstreifen zu hüllen. Ich stehe von Zeit zu Zeit vor Schaufenstern rum und frage mich müßig, wer sich veranlaßt sehen wird, Schuhe zu kaufen, die der Trägerin den Anschein verleihen, an einer besonders unattraktiven Form von Klumpfuß zu leiden.
Nichts davon erfordert zwingend die Anwesenheit eines Partners. Ich könnte hervorragend damit leben, all das für den Rest meines Lebens allein zu tun.
Ich hab’s! Ich sammle Schuhe. Mein Hobby ist Schuhesammeln. Halt. Will ich einen Mann kennenlernen, der ebenfalls Fußbekleidung hortet? Nein. Auch dann nicht, wenn er eine Kollektion entzückender Damenpumps von Ferragamo, Bally und Prada vorzuweisen hat? Nein! Möchte ich einen Mann, der eine Frau möchte, die über ein kleineres Schuhmuseum verfügt? Es ist mir wurscht. Meine Schuhe gehören mir und müssen nur mir gefallen. Es ist eine rein narzißtische Angelegenheit.
Außerdem, fällt mir da ein, unterscheiden sich meine Schuhe in einem wichtigen Punkt von Eisstielskulpturen. Ich trage sie. Manche oft, andere selten. Aber praktisch jeder Mensch trägt Schuhe. Fast alle Bewohner der westlichen Welt besitzen mehr als ein Paar Schuhe und sind damit im Besitz einer - wenngleich winzigen - Schuhsammlung. Schuhesammeln kann also nicht eigentlich als Hobby betrachtet werden.
Wenn ich es recht bedenke, dann ist die Schnittmenge an Hobbies im engeren Sinne, denen sowohl Männer wie Frauen oft und gerne nachgehen, relativ klein. Selbst im einundzwanzigsten Jahrhundert herrscht noch betrüblicher Mangel an Männern, die hemmungslos der Hohlsaumstickerei frönen und Frauen, die angesichts wassergekühlter Wankelmotoren in Ekstase geraten.
Tatsächlich würde ich noch einen Schritt weitergehen und behaupten, daß die Beziehungsharmonie proportional zur Unterschiedlichkeit der Interessen steigt.
Wenige Dinge sind liebevoller Zweisamkeit so nachhaltig abträglich wie divergierende Auffassungen darüber, ob es Blumen gestattet sein sollte, sich je nach Wohlbefinden in Beeten auszubreiten, oder ob sie vielmehr in strammem Gleichschritt durch die Rabatten zu marschieren haben. Und man denke nur an die giftigen Küchendebakel, die aus der Butter-Öl-Debatte, dem Essig-Zitronensaft-Disput und der Mixer-Handquirl-Diskussion zwischen passionierten Freizeitköchen zu resultieren pflegen, wenn sie gleichzeitg in derselben Küche kochen.
Nicht nur deshalb ist es erstaunlich, daß es tatsächlich glückliche Paare geben soll, die sich auf dem Umweg über Partnersuchprogramme gefunden haben.
Luis schaut mir über die Schulter und sagt neugierig: „Lies vor, was die geschrieben hat, ja?“
„Die hat sich richtig Mühe gegeben.“ stelle ich fest.
„Sie sagt, sie möchte jemanden, der sagt Schatz, was möchtest Du essen? Heute koche ich. Einen, der beim Spazierengehen mit ihr Händchen hält. Einen, der gelegentlich auch mal mit ihr in einen romantischen Film geht. Einen, der sie ihren Freunden mit den Worten vorstellt ‚Das ist sie!’ Einen, der fürsorglich ist und sie morgens fragt, ob sie gut geschlafen hat.“ übersetze ich artig, und füge hinzu „Hey! Genauso bist Du. Die will Dich!“
Luis hört mit den Würgegeräuschen und dem Augenverdrehen auf, um entsetzt hervorzustoßen: „La virgen! Klick bloß schnell eine andere an!“
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