Dienstag, 10. Mai 2011

Gesetz ist Gesetz

Einer meiner zahlreichen Fehler besteht ja darin, daß ich nie irgendwas glaube, ehe ich es nicht selber ausprobiert habe. Ich stelle also nunmehr am eigenen Leib fest, daß ich mit größerer Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen werde als einen Mann zu finden.

Ich habe sorgfältig unter den drei mir zur Verfügung stehenden Fotos aus neuerer Zeit das ausgesucht, auf dem ich glücklich aussehe, ohne wie eine hysterische Zicke einerseits oder ein Hippopotamus andererseits zu wirken.

Ich habe mir gesagt, daß es ja nichts schaden kann, ein paar der Kandidaten virtuell anzulächeln. Sie reagieren, als hätte ich nackt vor ihnen auf dem Tisch getanzt. Will heißen, sie glotzen, tun aber nichts. Vielleicht wissen sie nicht, daß es eine Funktion gibt, die mir zeigt, wer mein Profil besucht? Tag für Tag? Ohne je auch nur qua Internet zurückzulächeln. Das heißt, doch. Einer hat reagiert. Sofort. Nur, um mir am nächsten Tag mitzuteilen, die Entfernung sei ihm zu groß. "Ah!" dachte ich erleuchtet. "Ich hab vergessen dazuzuschreiben, daß ich zwar noch in Spanien lebe, aber im Sommer zurückkehre."

Wahrscheinlich, jedenfalls. Daß das unter anderem vom Ergebnis dieser Suchaktion abhängt, brauch ich ja nicht dazuzusagen. Kein Grund, die Pferde scheu zu machen. Der Mann, das wissen wir, ist ein leichtfüßiges Wild, das hakenschlagend die Flucht ergreift, sobald es sich auch nur im geringsten in die Enge getrieben fühlt.

Ich klickte also brav auf "Profil ändern". Da merkte ich, daß darin von Galicien überhaupt nicht die Rede ist. Es war dem Mann zu weit von Nordrhein-Westfalen nach - Baden-Württemberg.

Ein weiterer, laut Persönlichkeitsprofil höchst begehrenswerter Mann, lächelte zurück. Ich sandte eine halbwegs amüsante, völlig unverbindliche Nachricht. Sie schlummert seit einer Woche in seinem Postkasten. Ungeöffnet, daher unbeantwortet. Ja, es gibt eine weitere Fuktion, die mir ermöglicht zu sehen, ob von mir abgeschickte Post gelesen wurde.

Ob das erste ungeschriebene Gesetz des Internet genauso lautet wie das des wahren Lebens? Dagegen ist ja nichts weiter einzuwenden. Rumzusitzen und so lange faszinierend auszusehen, bis sich einer aufrafft, einen Drink zu senden ist schließlich viel einfacher als jemanden strahlend anzulächeln und dann das Gesicht festzuhalten, wenn er sich betont abwendet.
Bloß befürchte ich, das zweite Gesetz behält dann ebenfalls seine Wirkung: es sind unweigerlich die Staubsaugervertreter, die den Kellner rüberschicken.

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